Rathaussaal voll bis zum Stehkragen
„Grammophon und Schellack” entführten in 20er- und 30er-Jahre
Barnstorf (wb). Christiane Roth vom „Treffpunkt Kultur” wies bei ihrer Begrüßung darauf hin, dass die Gruppe „Grammophon und Schellack” zu einem Hattrick aufläuft: am Sonntag, dem 15. Januar waren die Künstler aus Dinklage, Heiligenloh, Hannover und Bremerhaven zum dritten Mal in Barnstorf, diesmal wieder im Rathaussaal, und wieder war die Vorstellung total ausverkauft. Sänger und Entertainer Stan Hemken und seine Mitstreiter Jano Blase am Akkordeon, Klaus Heuermann - Violine und Stephan Werner - Kontrabass sind alle professionelle Musiker und bilden seit 2005 dieses Quartett.
Eine Zeitreise in die 20er- und 30er-Jahre des vorigen Jahrhunderts war versprochen worden, und das Outfit der Musiker mit Zylinder, Frack, Schal, Lackschuhen und Spazierstock entführte sofort in diese Zeit. Ein Übriges vermochte die sonore und trotzdem akzentuierte Stimme von Stan Hemken vermitteln – wenn er sich noch zusätzlich beim Singen die Nase zuhielt, sah das Publikum im Geiste vor sich ein altes Grammophon mit einer quäkenden Schellack-Platte. Das Programm war durchsetzt von „Ohrwürmern”, die vom Text her bekannt waren und zum Mitwippen der Füße animierten. Passend wurde mit „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da” begonnen, „Oh Donna Clara” zum Besten gegeben und dem „Fräulein Helen” beim Baden gehen zugesehen.
Hemken sinnierte über den Unterschied zwischen Männlein und Weiblein „Ein Mann – ein Wort, eine Frau – ein Wörterbuch”, attackierte spielerisch Herrn Heuermann, der seine Violine als Gitarre missbrauchte, die Flöten von Herrn Blase versteckte und sein gebrauchtes Kaugummi am Bass von Herrn Werner entsorgte – alles zum Vergnügen des Publikums. Dies musste bei kleinen Späßen des Entertainers herhalten, Helga, Sigrid und Christina wurden nach ihren Telefonnummern befragt unter dem Motto „Kein Schwein ruft mich an”, es erfolgte ein Aufruf zum Probeliegen in der privaten Badewanne und Heinz Kuhlmann war immer Aufpasser für den Spazierstock. Da für „Kannst Du pfeifen Johanna” keine adäquate Dame zur Verfügung stand, wurde kurzerhand Herr Werner in „Johanna Maskouri” verwandelt und versetzte mit seiner Mimik und den schrillen Tönen die Zuschauer in Begeisterung. Überhaupt sorgten das komödiantische Talent und die musikalische Klasse der Vier dafür, dass sie erst nach mehreren Zugaben vom begeisterten Publikum entlassen wurden. „Veronika, der Lenz ist da”, wozu die Zuhörer das „Tralala” beisteuerten, „Mein kleiner grüner Kaktus” als Hommage an die „Comedian Harmonists” und „Frauen sind keine Engel” beendeten einen denkwürdigen Abend.